Deutsche Versionen von Gundula Schiffer, Aug12

Note by LB: Gundula Schiffer and I met in Sabine Günther’s Übersetzung Werkstatt (=translation workshop) in the Technische Universität Berlin in June 2012, where I also met with much pleasure the german poet Tom Bresemann (I translated his texts, he translated mine, and we smoked a few joints together on the T.U.’s balcony with the teacher there becoming a bit crazy but we just didn’t care 🙂 ) and the german “Kisnki-looking” student Thomas Nolte, who started translating the first volume of my KINSKI novel.

Gundula, after the workshop, decided to try her own translations, free from any teacher/supervisor, which is a great decision (always fuck your teachers, always!! be free, knowledge is yours, not theirs).
During the workshop, I’ve been in conflict with french translator Paul-Henri Mathieu (he translated 80 books… experienced guy…) who was supervising his students a way that I found and declared totally stupid. He made them do some “rohe Übersetzung”, kind of litteral translations aiming at giving an idea of the meaning of the text. The default of that, when it’s about poetry, is that it kills the intense polymorphism of meaning that’s typical of poetry. I quoted the french saying “The wise man shows the moon, and the idiot watches the finger.” He didn’t like this quote 🙂 Some students liked it I think… Ha ha 🙂 Authorities are so often wrong. I defended a conception of translation in which the translator aims at recreating the effects of the original text, using the ressources of the destination language.
Gundula Schiffer sent me sthg special: 3 different translations of a same poem. That’s a much better exercise. So here are those translations. Thank you Gundula.

Just for fun: the Natacha of the poem is real, but she never knew I wrote about her. We met in some salsa dancing classes in Marseille in 2007. She was disgustingly pretty…

 


Imaginations concernant Natacha

1.
Il attend dans la nuit
Que se règlent les combats
de chats
Qui griffent et miaulent et filent comme des balles
Après s’être disputé les faveurs attachantes de
Natacha.

2.
Ses parents auraient très bien pu faire les malins
Et l’appeler Natachien.
Mais ils ont eu la bonne idée de ne pas faire les rats
Et ils l’ont appelée
Natacha.

3.
Au carrefour des deux routes je me tourne vers la gauche
Et je vois Natacha.
J’oblique à droite et juste après cent mètres je vois
Natacha.
Alors je fais marche arrière et… merde, t’es encore là ?
Natacha ?
Il n’y a qu’une solution pour me sortir de là !
Il faut que je ferme les yeux pour ne plus voir partout
Natacha !
Alors je ferme les yeux la bouche les oreilles et tout et tout et tout
Et dans le silence, le calme et la tranquillité qui se font en moi
Je ne sais plus rien, je ne sens plus rien, je ne vois plus rien
Que toi
Natacha.


Lösung 1: „Natacha und die Katzen“ mit „Interlinear“-Kommentar des Übersetzers

Phantasien über Natacha

1.
In der Nacht wartet er
Auf das Ende der Kämpfe
zwischen den Katzen
(auf Französisch heißen „Katzen“ „chats“ sprich „scha“)
Die kratzen und mauzen und flitzen wie Bälle
Nach ihren Streitereien um die bezaubernden Vorzüge von
(„atta-chants“ – kein Kommentar….)
Natacha
(auf Deutsch würde man den russischen Namen „Nata-scha“ schreiben…)

2.
Ihre Eltern hätten auch gemein sein
Und zu ihr sagen können:
Natachien
(„chien“ sprich „schje“ – „Katz“ und „Hund“ hören sich Französisch fast gleich an)
Aber sie kamen auf die gute Idee besser keine Ratten zu zeugen
Und nannten sie
Natacha.

3.
An der Kreuzung zweier Straßen drehe ich mich nach links
Und sehe Natacha.
Ich biege rechts ab und nach genau hundert Metern sehe ich
Natacha.
Also geh ich zurück und… Scheiße, bist du schon wieder da?
Natacha?
Es gibt nur einen Weg, wie ich da wieder rauskomme!
Ich muss die Augen schließen um nicht überall nur eins zu sehen:
Natacha!
Also schließ ich die Augen den Mund die Ohren und alles und alles und alles
Und in der Stille, der Ruhe, der Gelassenheit die sich in mir ausbreitet
Weiß ich nichts mehr, fühl ich nichts mehr, seh ich nichts mehr
als nur dich
Natacha.


Lösung 2: „Sabine, mittags“ = Deutscher Ersatz für das französische Namensspiel

Phantastareien um Sabine

1.
Mittags lauscht er auf
Das wilde Gesumse
der Bienen
Die brummen und surren und sausen wie Schießpulver
Nach ihrem Gezanke um die zauberhaften Reize von
Sabine.

2.
Ihre Eltern hätten es ihr auch ganz vermiesen
Und zu ihr sagen können:
Samücke
Aber dann fiel ihnen ein besser keine Vampire zu zeugen
Und nannten sie
Sabine.

3.
An der Kreuzung zweier Straßen drehe ich mich nach links
Und sehe Sabine.
Ich biege rechts ab und nach genau hundert Metern sehe ich
Sabine.
Also geh ich zurück und… Sapperlott, du schon wieder?
Sabine?
Es gibt nur einen Weg, wie ich da rauskomme!
Ich muss die Augen schließen um nicht überall nur die zu sehen:
Sabine!
Also schließ ich die Augen den Mund die Ohren und alles alles alles
Und in der Stille, der Ruhe, der Gelassenheit die sich in mir ausbreitet
Weiß ich nichts mehr, fühl ich nichts mehr, seh ich nichts mehr
als dich allein
Sabine.


Lösung 3: „Mizzi, Mieze“ = Deutscher Versuch zu „Nata-chat“

Halluzinationen zu Mizzi

1.
Nachts liegt er wach bis
Schluss is mit dem Rumgezicke der
Miezen
Die kratzen und mauzen und flitzen wie Furien
Nach ihren Trietzereien um die zauberhaften Reize von
Mizzi.

2.
Ihre Eltern hätten es auch ganz verspielen
und zu ihr sagen können:
Mopswitha
Aber dann fiel ihnen ein besser keine Opfer zu zeugen
und nannten sie
Mizzi.

3.
An der Kreuzung zweier Straßen drehe ich mich nach links
Und sehe Mizzi.
Ich biege rechts ab und nach genau hundert Metern sehe ich
Mizzi.
Also geh ich zurück und… Verflixt, du schon wieder?
Mizzi?
Es gibt nur einen Weg, wie ich da rauskomme!
Ich muss die Augen schließen um nicht überall nur eins zu sehen:
Mizzi!
Also schließ ich die Augen den Mund die Ohren und alles alles alles
Und in der Stille, der Ruhe, der Gelassenheit die sich in mir ausbreitet
Weiß ich nichts mehr, fühl ich nichts mehr, seh ich nichts mehr
außer dir
Mizzi.

(Note: Mizzi ist wie Mieze, Mia, Mimmi eine Koseform für Maria.)